Philosophie

Die Zukunft liegt in unserer Hand

Philosophische Betrachtungen zum Handwerk

In der etwa 2 Millionen Jahre dauernden Menschheitsgeschichte macht das Maschinenzeitalter, beginnend mit der Industrialisierung, nur einen verschwindend kleinen Anteil aus. Erst in den letzten 300 Jahren haben uns Maschinen vom Joch der körperlichen Arbeit befreit, d.h. zu 99,98% unserer Evolution mussten wir durch Einsatz der Körperkraft und der Hände unser Überleben sichern.

Was bedeutet das für uns heute? Nichts weniger, als dass wir genetisch als Handwerker geprägt sind. Das Arbeiten mit der Hand ist nicht etwas, das wir von heute auf morgen als unzeitgemäß einfach ablegen können, ohne mentale und physische Probleme zu bekommen. Freilich kann man zur Kompensation dieses Verlustes in das Sportstudio gehen oder eine Wand hochklettern. Doch um wie viel beglückender ist es, dieses Bedürfnis in kreative Bahnen zu lenken, in der Holzwerkstatt etwas Bleibendes entstehen zu lassen! Nur mit dem frei geführten, gut geschärften Handwerkzeug kann man dem wunderbaren Werkstoff  Holz ein zweites Leben schenken.

 

Doch die Abkehr vom manuellen Tun hat über den persönlichen Bereich hinausgehend gesellschaftliche Konsequenzen. Wer nur noch per Knopfdruck Werkstoffe bearbeitet und formt, verliert den sinnlichen Bezug zum Material. Der Duft einer frisch gehobelten Zirbelkiefer, die wohltuende Haptik einer naturbelassenen Holzoberfläche, die sympathischen Unregelmäßigkeiten eines mundgeblasenen Glases, die faszinierende Struktur eines handgeschöpften Papierblatts – dies sind Merkmale, die in unserer industriellen Welt mehr und mehr aus unserer Erfahrungswelt verschwinden. Und mit ihnen geht unser Gespür für Qualität verloren, da sich die Wahrnehmung zunehmend auf rein visuelle, oberflächliche Reize beschränkt. Statt uns an der Einzigartigkeit eines handgemachten Produktes zu erfreuen, suchen wir unser Glück im immer mehr beschleunigten Konsum. In diesem Sinn hat Handwerk auch sehr viel mit dem in neuerer Zeit inflationär gebrauchten Begriff „Nachhaltigkeit“ zu tun.  Nur wenn man sich traut, Materialien mit den eigenen Händen zu formen, ob zu einem funktionierenden oder rein kreativen Objekt, kommt dem Wesen der Dinge näher.

 

                         

 

Das Bild zeigt die Dachkonstruktion eines japanischen Bauernhauses (Minka)